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*** Unhinged: Ausser Kontrolle ***


ouatih kritik

Autor: Christopher Diekhaus
 
Aus einer Lappalie im morgendlichen Stadtverkehr entwickelt sich ein rüder Amoklauf. „Unhinged – Außer Kontrolle“ schickt Russell Crowe in der Rolle eines durchgeknallten Versagers auf einen Kreuzzug gegen eine junge Frau, die ihre Ungeduld an einer grünen Ampel bitter bereut.
 
An den Falschen geraten
 
Als eine der ersten neuen US-Produktionen startet hierzulande nach dem Ende des Kino-Lockdowns Derrick Bortes Actionthriller „Unhinged – Außer Kontrolle“, der eine Mischung aus Steven Spielbergs Frühwerk „Duell“ und Joel Schumachers Wutbürger-Streifen „Falling Down – Ein ganz normaler Tag“ vermuten lässt.
 
Ein beleibter Russell Crowe schlüpft hier in einen finsteren Psychopart, dem leider nichts Überraschendes anhaftet. Vom Start weg wird der im Abspann nur „Man“ genannte Antagonist als grausamer Wüterich inszeniert. Die Brutalität, mit der er in den ersten Minuten zwei Menschen tötet, löst handfestes Unbehagen aus. Von diesen verstörenden Augenblicken an ist sein Weg jedoch komplett vorgezeichnet. Brüche in der Charakterisierung sucht man vergeblich.
 
 
Den Zorn des gewalttätigen Zeitgenossen zieht die leicht verplante Rachel (Caren Pistorius) auf sich, die mal wieder verschlafen hat und ihren Sohn Kyle (Gabriel Bateman) gestresst durch den dichten Verkehr zur Schule transportieren muss. An einer grünen Ampel hupt sie den einfach stehenbleibenden Unbekannten an, der sie beim nächsten Stopp aus dem offenen Wagenfenster heraus zu einer Entschuldigung drängen will. Weil er diese nicht bekommt, macht der ohnehin mächtig geladene Hitzkopf fortan Jagd auf Rachel und nimmt dabei auch Freunde und Verwandte ins Visier.
 
Zuspitzung nach Schema F
 
Russell Crowe, dessen massiger gewordener Körper den Anschein eines wilden Tiers verstärkt, schmeißt sich durchaus leidenschaftlich in die Rolle des hemmungslosen Berserkers, der die Schuld für seine seelische Verfassung und seine aktuelle Lebenslage nicht bei sich, sondern bei seinen Mitmenschen sucht. Dass Rachel frisch geschieden ist und Kontakt zu einem Anwalt für Trennungsangelegenheiten hat, provoziert den ebenfalls aus einer kaputten Ehe kommenden Choleriker an einer Stelle zu einer vor Selbstmitleid nur so triefenden Klage.
 
Anständige Männer wie er würden systematisch zugrunde gerichtet und hätten daher das Recht, mit einem brachialen Rundumschlag zu antworten. Die angestauten Frustrationen kehrt der durchweg finster dreinschauende Crowe nach außen und verleiht dem Amokläufer eine furchteinflößende Präsenz. In einen erinnerungswürdigen Leinwandbösewicht kann der für das Sandalenepos „Gladiator“ mit einem Oscar prämierte Neuseeländer seine eindimensional angelegte Figur allerdings nicht verwandeln.
 
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Gaukelt die Titelsequenz dem Publikum noch vor, „Unhinged – Außer Kontrolle“ wolle das generelle Ansteigen der Aggressionen im Alltag und im Straßenverkehr beleuchten, bleibt davon in den folgenden 70 Minuten wenig übrig. Hier und da heften Regisseur Borte und Drehbuchautor Carl Ellsworth ihrer Geschichte kleine, gesellschaftskritische Statements an. Echtes Interesse bringen sie jedoch nur für die sich ständig weiterdrehende Eskalationsspirale auf.
 
Der Film liefert genau die Art grob gestrickte Spannungsunterhaltung, die man angesichts der Prämisse erwarten darf, kann aber immerhin mit einigen effektiven, handgemachten Actioneinlagen punkten. Für großes Staunen reicht es trotzdem nicht, da sich auf Handlungsebene mehrere zu sehr ins Auge springende Logikdefizite auftun. Auch mit viel gutem Willen fällt es beispielsweise schwer, zu glauben, wie leicht Crowes Brutalo über Rachels Handy Einblick in ihr Leben und ihr Umfeld gewinnt, den er dann für das weitere Katz-und-Maus-Spiel nutzt. Reichlich hanebüchen wirken zudem manche Entscheidungen der weiblichen Hauptfigur, die kein einziges Mal ernsthaft in Betracht zieht, ein Polizeirevier anzusteuern, um den Spuk zu beenden. Erzählerische Nachlässigkeiten wie diese werfen den Betrachter immer wieder aus dem adrenalingetränkten Treiben heraus.
 
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Fazit
 
Ein rabiater Thriller von der Stange, den auch ein angemessen bedrohlich auftretender Hauptdarsteller und ein paar mitreißende Autojagden nicht zu einem starken Kinoerlebnis machen.
 
 
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