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Kritik: The Marvels

sub kritik
 
Autor: Walter Hummer
 
Der dreiunddreißigste Marvel-Film hat drei Heldinnen und zwei große Probleme …
 
O Captain! My Captain!
 
Captain Marvel ist wieder da. Die Skrull sind wieder da und die Kree natürlich auch. Und Nick Fury sowieso. Eine Feindin ist da und will an Captain Marvel Rache nehmen. Dabei will sie auch noch mehrere Planteten zerstören. Zwei (nicht ganz) neue Superheldinnen sind da. Mit einer der beiden muss Captain Marvel die gemeinsame Vergangenheit aufarbeiten. Der anderen muss sie beibringen, eine Superheldin zu sein und schön langsam kommen einem dreiunddreißig Filme und ungefähr ebenso viele Fernsehserien reichlich viel vor. Vielleicht sogar zu viel …
 
Eines vorweg: „The Marvels“ ist ein durchaus unterhaltsamer Blockbuster. Trick- und filmtechnisch ist daran nichts auszusetzen. Das Drehbuch ist nicht das Beste, aber auch sicher nicht das schlechteste des MCU. Kompetente Darsteller*innen machen einen guten Job. Trotzdem hat der Film zwei schwerwiegende Probleme. Und für diese beiden Probleme können die Macher dieses Films rein gar nichts.
 
Das erste Problem des Films ist eine negative Stimmung im Internet. Wir kennen das mittlerweile auch von anderen Filmen wie „Cats“ oder „Drei Engel für Charlie“. Wenn ein paar wenige Trolle einen Film, den noch niemand gesehen hat und auch noch eine Weile nicht sehen wird, nicht gut finden wollen, werden sie im Netz aktiv. Filmjournalist*innen, die es besser wissen sollten, berichten darüber, als wären das echte Nachrichten und schon hat der Film keine realistische Chance mehr, unvoreingenommen gesehen zu werden.
 
 
Erst letzte Woche war im Netz von desaströsen Testvorführungen von „The Marvels“ zu lesen. Und diese „Nachricht“ wurde auch von Journalisten kolportiert, die wissen müssten, dass es für Marvel-Filme sicher niemals Testvorführungen geben wird, weil Marvel Studios und Disney (zu Recht) viel zu viel Angst vor leaks haben. Im übrigen finden Testvorführungen nicht in der Woche vor dem Kinostart statt. Was sollte man in so kurzer Zeit denn noch an einem Film ändern?
 
Man kann sich nur wundern, warum ausgerechnet „The Marvels“ wieder „getrollt“ wurde. Mir will kein Grund einfallen, warum im Netz ausgerechnet gegen den einen der wenigen von Frauen geschriebenen und inszenierten Marvelfilme mit weiblichen Hauptfiguren Stimmung gemacht wird, dessen Hauptdarstellerin einen Oscar für die mutige Darstellung eines Opfers sexueller Gewalt bekommen hat und die sich immer wieder gegen Missbrauch im Filmgeschäft ausgesprochen hat.
 
Schwer zu sagen, warum man(n) sich ausgerechnet auf diesen Film eingeschossen hat. Also kann ich unsere Leser*innen nur bitten, diesem Film eine Chance zu geben. Aber „The Marvels“ hat noch ein zweites Problem, das auch unvoreingenomme Filmfans nicht mehr ignorieren können. Wir haben fast alles in diesem Film in den letzten 15 Jahren schon ein paar Dutzendmal so oder so ähnlich gesehen. Gute dreißig Mal hat uns Marvel selbst Ähnliches gezeigt.
 
Higher, further, faster
 
Es ist wirklich ein Jammer. Vor zehn Jahren noch wäre „The Marvels“ etwas ganz Besonderes gewesen. Vor fünfzehn Jahren wäre der Film mit seinen gelungenen Effekten, seinen durchaus witzigen Dialogen und den vielen, schnellen Actionsequenzen der größte Knaller des Jahres gewesen. Aber 2023 kommt uns fast alles, was dieser Film zu bieten hat, furchtbar vertraut vor.
 
01 ©2023 MARVEL Studios02 ©2023 MARVEL Studios03 ©2023 MARVEL Studios05 ©2023 MARVEL Studios
 
Vor fünfzehn Jahren hätten wir auf dem Heimweg vom Kino noch über die Szene gesprochen, in der eine der Heldinnen eine Sonne neu startet. Vielleicht wäre das sogar die Haupthandlung des Films gewesen. 2023 geht diese wirklich interessante aber sehr kurze Szene in all den Schlachten, Kämpfen und Zerstörungen des Films fast unter. Wir sehen so viele Raumschiffe aller Größen und Formen, dass uns das originell gestaltete Schlachtschiff der Bösewichtin gar nicht weiter beeindruckt.
 
Den Gag mit der außerirdischen Monsterkatze kennen wir bereits aus dem Vorgängerfilm. Wenn dieser Gag im neuen Film immer und immer wieder inflationär wiederholt wird, macht das diesen Gag nicht besser und wertet den Film nicht auf. Es gibt natürlich wieder eine „mid-credit-scene“, die uns Einblick in ein anderes Universum und Ausblick auf eine Fortsetzung gewährt. Neu ist daran nichts.
 
Die Drehbuchautorinnen Megan McDonnell („WandaVision“) und Elissa Karasik „(Loki“) bescheren uns zusammen mit Regisseurin und Co-Autorin Nia DaCosta („Candyman“) drei Haupt- und jede Menge Nebenfiguren die auf der Leinwand sinnvoll und nachvollziehbar agieren. Die durchaus witzigen und doch halbwegs intelligenten Dialoge klingen nicht aufgesetzt. Aber auch dass ist im MCU nichts Neues.
 
Und natürlich darf Samuel L. Jackson als Nick Fury wieder die besten Sätze abliefern. Und auch das ist im MCU nichts Neues. Selbstverständlich ist die Handlung ziemlich vorhersehbarer Unsinn. Aber gilt das nicht auch für die meisten der vorangegangenen zweiunddreißig Beiträge zum MCU? Die Action ist wieder unterhaltsam gestaltet. Wenn die drei Heldinnen immer wieder eine Art Teleportations-Bäumchen-Wechsel-Dich spielen müssen, bringt das sogar etwas Abwechslung in die ewiggleichen Kampfszenen. Eine erfrischende Abwechslung innerhalb des MCU stellt auch die mit gerade mal 105 Minuten überschaubare Laufzeit dar.
 
Die Besetzung arbeitet ebenso gut wie die paartausend Talente hinter der Kamera. Auch das sind wir von Marvel mittlerweile gewohnt. Brie Larson hat vor acht Jahren in „Raum“ eine grandiose Leistung gezeigt, die absolut zu Recht mit dem Oscar ausgezeichnet wurde. Vor vier Jahren durfte sie dann zum ersten Mal als „Captain Marvel“ durchs All fliegen. Auch im neuen Film spielt Larson diese Rolle mit sympathischer Kompetenz.
 
Teyonah Parris hat bereits in „Candyman“ mit Regisseurin Nia DaCosta zusammengearbeitet und durfte bereits in „WandaVision“ die Astronautin/Superheldin Monica Rambeau darstellen. Parris macht das Beste aus einer Rolle, die leider etwas „underwritten“ ausgefallen ist. Der lächerliche Konflikt zwischen Monica und Carol hätte viel besser ausgearbeitet werden oder von Anfang gestrichen werden müssen.
 
Iman Vellani, eine junge Darstellerin pakistanischer Abstammung, war bereits im Fernsehen (bzw. auf Disney+) die „Ms. Marvel“. Vellanis jugendlicher Überschwang wirkt nie übertrieben und immer authentisch, auch wenn ihre Rolle fast ebenso „underwritten“ ist, wie die von Teyonah Parris.
 
Die Rolle der Schurkin Dar-Benn ist nicht bloß „underwritten“ sondern „hardly written at all“. Die noch recht unbekannte Zawe Ashton („Nocturnal Animals“) macht das Beste aus dieser Rolle. Aber das ist leider nicht viel. Samuel L. Jackson ist und bleibt ein … naja, was eben in „Pulp Fiction“ auf seiner Brieftasche stand. Und dieser BMF ist er auch wieder in seinem mittlerweile fünfzehnten Einsatz als Nick Fury (ich hoffe, ich habe mich nicht verzählt). Was macht es schon, dass man Jackson mittlerweile fast jedes seiner vierundsiebzig Jahre ansieht?
 
Fazit
 
Die drei Heldinnen sind nicht das Problem in diesem dreiunddreißigsten Marvel-Film. Auch nicht das durchaus passable Drehbuch und die passende Regie. Dass Hauptproblem ist die große Vertrautheit mit allem was wir sehen. Vielleicht wäre es nach zweiunddreißig Filmen mal Zeit für eine Pause?
 
 
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