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Kritik: Der Gesang der Flusskrebse

 
dfdh kritik
 
Autor: Peter Osteried
 
Von Fans des abgründigen Genrekinos gespannt erwartet und Hollywood stürzt sich mit Vorliebe auf Bestseller. Die bringen schließlich immer eine eingebaute Fanbasis mit und sorgen für erweiterte Aufmerksamkeit, weil oft über die Wechselwirkung von Roman und Film geschrieben wird.
 
Delia Owens‘ DER GESANG DER FLUSSKREBSE ist das perfekte Material für einen solchen Film. Aufwändig, schön, prächtig inszeniert, mit toller Landschaft und mit einer Geschichte, die berührt.
 
Im Marschland
 
Im Jahr 1953 ist Kya (Daisy Edgar-Jones) noch ein kleines Mädchen, als erst die Mutter, dann ihre Geschwister vor ihrem um sich prügelnden Vater fliehen. Sie ist zu klein, um abzuhauen, der Vater aber nicht. Eines Tages ist er einfach weg. Die kleine Kya ist jetzt auf sich allein gestellt. Sie sammelt Muscheln und verkauft sie, womit sie sich ihr karges Leben sichert. Knapp zehn Jahre später lernt das Marschmädchen, wie alle im nahen Ort sie nur sagen, den jungen Tate kennen, der ihr nicht nur das Lesen beibringt, sondern für sie so wichtig wie das Leben selbst wird.
 
1969 wird Chase Andrews tot am Fuß eines Feuerwachturms gefunden. Es könnte ein Unfall gewesen sein. Oder auch Mord. Der Verdacht fällt auf Kya, die verhaftet und angeklagt wird. Anwalt Milton kommt aus dem Ruhestand zurück, um die junge Frau zu verteidigen.
 
 
Die einzige Konstante ist Veränderung
 
Die Struktur ist für diese Art Geschichte nicht unüblich. Man lernt mehr über Kyas Vergangenheit, während ihre Zukunft vor Gericht auf dem Spiel steht. Es ist hart, wie das Mädchen allein gelassen wird. Dadurch werden Verlassensängste, aber auch die Gewissheit potenziert, dass kein Mensch einen ewig begleitet.
 
Daisy Edgar-Jones spielt das smarte, scheue, aber mit wachem Verstand und mit einem Talent dafür, Flora und Fauna zu zeichnen, gesegnete Mädchen ausnehmend sympathisch. So ruhig wie sie ist auch dieser Film. Er ist unaufgeregt. Ein wenig langsam, aber nie langweilig. Und er bietet die Wunder dieser Natur. Die Schönheit des Marschlands, das für Kya ein Leben lang genug ist. Selbst, wenn sie immer dort leben sollte, hätte sie doch nicht alles entdeckt, was es zu entdecken gibt.
 
Sie lässt sich von der Natur treiben, will Teil davon sein, mit allen Abläufen, dem Aufblühen, dem Verwelken. Die einzige Konstante der Natur, so erklärt sie, ist die ewige Veränderung. Auch ihr Leben verändert sich immer wieder.
 
01 ©2022 Sony Pictures02 ©2022 Sony Pictures03 ©2022 Sony Pictures04 ©2022 Sony Pictures
 
Die eigene Vergangenheit
 
Delia Owens wuchs selbst in einem solchen Marschland auf. Sie erzählt aus dem Herzen, wenn sie von der Pracht dieser Landschaft spricht. Sie erzählt aber auch von einem Mord – möglicherweise zumindest, da man das bis zum Schluss nicht weiß. Ein Element, das gerade in letzter Zeit herausstach. Denn wie in dem 2018 veröffentlichten Roman gibt es auch in Delia Owens‘ Leben ein Fragezeichen, was einen Mord betrifft. Sie lebte mit ihrem Mann in Sambia, beschützte Elefanten vor Wilderern, und einer dieser Wilderer wurde erschossen. Die Behörden in Sambia würden gerne mit Delia Owens und ihrem Mann sprechen, sie lebt aber längst in Idaho und scheint kein Interesse zu haben, nach Afrika zurückzukommen.
 
Es sind in gewisser Weise Parallelen zwischen dieser Geschichte und der, die die Lebensgeschichte der Owens ausmacht. Aber die Phantasie greift weit, und so sollte man vor allem auf den Film blicken, der lange offenlässt, ob Chase Andrews überhaupt ermordet wurde.
 
Wenn man aber davon ausgeht, dass Kya schuldig ist, dann müsste man auch die ganze andere Geschichte neu bewerten – etwa die Frage danach, wohin ihr Vater verschwunden ist.
 
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Doch das sind Gedankenspiele, die höchstens im Nachgang von Interesse sind. Der Film selbst lebt vielmehr von seiner sinnlichen Erzählweise, von der zurückhaltenden Sentimentalität auf eine längst vergangene Zeit, und von seiner Ehrerbietung vor der Natur.
 
Fazit
 
DER GESANG DER FLUSSKREBSE ist ein wunderschöner Film, prächtig anzusehen, sehr schön gespielt. David Strathairn als gütiger Anwalt hat eine der besten Rollen des Films inne, er gehört aber ganz und gar Daisy Edgar-Jones. Für sie dürfte dieser Film das sein, was man als „career-making movie“ bezeichnet. Danach müsste es schon mit dem Teufel zugehen, wenn er ihr nicht die Tür zum Starruhm öffnen würde.
 
 
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