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*** The New Mutants ***


 

ouatih kritik

Autor: Walter Hummer
 
Die neuen Mutanten entdecken ihre Kräfte im „X-Men“-Universum. Trotzdem sind sie anders als die bekannten Helden. Und sie bieten tatsächlich Neues …
 
We don’t need no education …
 
Die junge amerikanische Ureinwohnerin Danielle Moonstar wacht nach dem Angriff einer unheimlichen Macht auf ihr Reservat in einem Krankenzimmer auf. Sie ist ans Bett gekettet. Die Ärztin Dr. Reyes erklärt ihr, sie befinde sich in einer speziellen Einrichtung für Mutanten. Danielle soll zusammen mit zwei jungen Frauen und zwei jungen Männern gleichen Alters lernen ihre Kräfte zu kontrollieren. Nur dann könnten die Insassen die Einrichtung verlassen und Teil der von Professor Xaviers Truppe von Superhelden werden …
 
Die Aufgabe eines Filmkritikers ist es, die Leser sachlich (und im Idealfall unterhaltsam) über neue Filme zu informieren. Diese Aufgabe wird in den letzten Jahren zunehmen schwerer, weil Filme von der internet-community oft bloß aufgrund eines Trailers gepriesen oder schlecht gemacht werden. Ein Kritiker, der seinen Job ernst nimmt, muss den Lesern also immer öfter erklären, dass „Joker“ kein Meisterwerk ist, bloß weil der Trailer brillant war. Oder man muss ganz sachlich festhalten, warum „Cats“ nicht ins Tierheim müssen, bloß weil einige Leute bereits Monate vor dem Filmstart allergisch auf den ersten Trailer reagiert haben.
 
 
Miese Filmkritiker hängen ihr Fähnlein gerne in den Wind. Und so schießt man sich vor allem links vom Atlantik schon seit einiger Zeit auf „THE NEW MUTANTS“ ein. Und auch wenn der Trailer für einige Nerds im Netz zu wenig Ähnlichkeit mit der Comicvorlage hatte, sollte man diesen Film nicht gleich abtun. Dazu bietet der Film zu viel Neues. Dazu beweist dieser kleine Film, der mit einem Budget von 67 Millionen Dollar gerade mal ein Drittel des komplett misslungenen „X-Men- Dark Phoenix“ gekostet hat, viel zu viel Mut.
 
Denn es braucht schon Mut, nicht einfach NOCH EINEN Superheldenfilm zu drehen. Ähnlich wie „Deadpool“ vor einigen Jahren die ausgetreten Pfade verlassen hat, um seinen eigenen Weg zu gehen, so biegen auch die „THE NEW MUTANTS“ einfach in eine dunkle Seitengasse ab. Dieser Film spielt zwar in der Welt der „X-Men“, ist aber ein astreiner Horrorthriller. Und ein verdammter guter Horrorthriller noch dazu. Der Film hat mehr von „Nightmare on Elm Street“ als von „X-Men: Teil VII“. Er steht viel mehr in der Tradition von Stephen King, als in der von Stan Lee.
 
Wie ein guter Superheld, schafft es Regisseur Josh Boone („Das Schicksal ist ein mieser Verräter“) sogar aus einer Schwäche eine echte Stärke zu machen. Das geringe Budget des Films gerät ihm zum Vorteil. Statt elendslanger CGI-Schlachten gibt es spannend konstruierte Szenen mit geschickt platzierten Schockeffekten. Der größte Teil des Films spielt an nur einem Drehort. Das sorgt für eine bedrohliche Atmosphäre. Und die Monster und Dämonen laufen nicht von Anfang an in Heerscharen durchs Bild, sondern tauchen erst nach und nach auf. Das erinnert wohltuend an Klassiker wie „Der weiße Hai“, wo der Fisch auch erst nach anderthalb Stunden zu sehen war.
 
Der Film orientiert sich auch an anderen Klassikern. Regisseur und Autor Boone und sein Co-Autor Knate Lee haben so unterschiedliche Filme wie „Einer flog übers Kuckucksnest“, „Jacob’s Ladder“ aber auch „Eiskalte Engel“ durchaus studiert mit edlem Bemüh‘n. Und auch wenn diese Reminiszenzen zum großen Teil durchaus stimmig wirken, funktioniert zum Beispiel die Referenz an „The Breakfast Club“ gar nicht, weil sie innerhalb der Handlung keinen Sinn ergibt.
 
01 ©2020 Twentieth Century Fox02 ©2020 Twentieth Century Fox03 ©2020 Twentieth Century Fox04 ©2020 Twentieth Century Fox
 
Cry, Little Sister
 
So originell viele der Ideen des Films sind, so dringend hätte das Drehbuch trotzdem einer Überarbeitung bedurft. Einzelne Handlungsstränge ergeben nur wenig Sinn. Und keine der überraschenden Wendungen kommt halbwegs überraschend. Jede einzelne ist von Anfang an offensichtlich. Vor allem hätte sich das Drehbuch sehr viel mehr und intensiver mit den fünf jungen Hauptfiguren beschäftigen müssen. Über Danielle erfahren wir wenig. Über Rahne, die zweite junge Frau, erfahren wir etwas weniger, über Illyana, die Dritte, noch weniger. Über Sam, einen der beiden männlichen Mutanten, erfahren wir fast nichts. Und die Vorgeschichte von Roberto, dem fünften Mutanten, wird in einem Satz erwähnt.
 
Dabei hätte das Drehbuch so viel zu bieten. In keinem der früheren „X-Men“-Filme war die Parallele zwischen den Schwierigkeiten eines jungen Mutanten, mit seinen Kräften umgehen zu lernen und dem Erwachsenwerden so nachvollziehbar. Wir sehen zum ersten Mal, wie ein junger Mutant damit umgehen muss, Unschuldige verletzt oder getötet zu haben. Aber am Ende nimmt sich der, mit 94 Minuten recht kurz geratene Film für diese Geschichte genauso wenig Zeit wie für eine berührende Liebesgeschichte. Wo fast alle „X-Men“-Filme zu lang geraten sind, ist „THE NEW MUTANTS“ die erste Comicverfilmung, die von zehn oder fünfzehn Minuten zusätzlicher Laufzeit profitiert hätte.
 
Blu Hunt („Another Life“) wirkt als Danielle sympathisch. Leider lernen wir ihre Figur im Film nie wirklich kennen. Und so ist es ein bisschen viel verlangt, wenn wir während des unübersichtlichen Endkampfes um sie zittern sollen.
 
Anya Taylor-Joy hat in so unterschiedlichen Filmen wie „Split“ und „Vollblüter“ beeindruckende Leistungen gezeigt. Es ist daher wohl kaum ihre Schuld, wenn sie als Illyana vor allem während der ersten zwei Drittel des Films keinen Charakter, sondern ein bloßes Klischee darstellt.
 
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Maisie Williams kennen Leute, die sich für Drachen und Brüste interessieren, aus der Serie „Game of Thrones“. Leider wird sie als Mutantin Rahne von Regie und Drehbuch von Szene zu Szene gehetzt, statt ihre Rolle entwickeln zu können.
 
Vor allem von Charlie Heaton („Stranger Things“) als Sam hätte man gerne mehr gesehen. Heaton hätte mehr Zeit und Gelegenheit bekommen müssen, seine Figur als tragischen Helden darzustellen.
 
Henry Zaga hat als Roberto weder Zeit noch Gelegenheit bekommen, seine Figur als irgendwas darzustellen. Mit jedem der Minions aus „Ich, einfach unverbesserlich“ wurden wir besser vertraut gemacht, als mit seiner Figur eines Mutanten aus besserem Hause.
 
Die Absichten von Alice Bragas („I am Legend“) Figur der Dr. Reyes sind von Anfang an so offensichtlich, es kann nicht die Schuld der Darstellerin sein, wenn ihr Part plump und wenig interessant wirkt.
 
Fazit
 
Die neuen Mutanten bieten tatsächlich viel Neues. Drehbuch und Regie zeigen viele originelle Einfälle, aber auch echte Schwächen. Am Ende möchte man die Nachwuchshelden auf jeden Fall bald wiedersehen.
 
 
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