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Kritik: Miraculous: LadyBug & Cat Noir

sub kritik
 
Autor: Walter Hummer
 
Ladybug und ihr Sidekick Cat Noir erobern nach dem Bildschirm nun auch die große Leinwand. Aber was bietet der Film den Ticketkäufer*innen, die nicht bereits Fans der Fernsehserie sind?
 
Der Schmetterling ist der Gier der Menschen zum Opfer gefallen
 
Es geht um irgendwelche Schmuckstücke mit Zauberkräften. Eines dieser Schmuckstücke, eine Brosche, erzeugt irgendwie „dunkle Schmetterlinge“, die das Böse in den Menschen freisetzen. Warum weiß niemand. Ein alter Asiate verbreitet Lebensweisheiten. Die Schülerin Marinette stellt sich ständig sehr ungeschickt an. Trotzdem kann sie dem alten Asiaten das Leben retten. Deshalb entscheiden ein paar magische Ohrringe ganz spontan, sich fortan von Marinette tragen zu lassen, die dadurch zur Superheldin „Ladybug“ wird.
 
Diese Zauberohrringe haben es in sich. Sie versorgen Ladybug nicht nur mit Superkräften und einem standesgemäßen Outfit, sondern auch noch mit einem magischen JoJo, mit dem das Mädchen kämpfen und sich wie Batman schwingend fortbewegen kann. Ach ja, in den Ohrringen lebt eine Art Dschinn namens Tikki, die Marinette alles Mögliche erklärt. Davon abgesehen trägt dieser Ohrring-Geist nichts weiter zur Handlung bei.
 
Moment, es geht noch weiter. Gleichzeit findet ein weiteres magisches Schmuckstück, diesmal ein Ring, den Weg zu Marinettes Mitschüler Adrien. Dieser Ring ist das Gegenstück zu Marinettes Zauberohrringen. Deshalb lebt darin auch ein Dschinn, der den Film um ein paar Furzwitze bereichert. Adrien wird durch den Ring zum Superhelden „Cat Noir“. An seinem Superheldenoutfit baumelt vorne ein Glöckchen, was ich persönlich für nicht gut durchdacht halte. Wenn ich mich an Superschurken anschleichen müsste, würde ich nicht bei jeder Bewegung klingeln wollen.
 
 
Ich bin noch nicht fertig. Die Zauberbrosche mit den dunklen Schmetterlingen ist im Besitz von Adriens Vater, der damit irgendwie seine verstorbene Frau zum Leben erwecken will. Aus irgendeinem Grund meint er, dieses Ziel erreichen zu können, in dem er Fremde mittels dunkler Schmetterlinge in Monster oder Superschurken oder Superschurkenmonstern verwandelt. Keine Ahnung, wie das funktionieren soll. Ich habe den Film gesehen. Ich war wirklich aufmerksam. Ich bin nicht zwischendurch eingeschlafen. Ich habe es trotzdem nicht verstanden. Tut mir leid.
 
Careless Whisper
 
Alles was ich bisher erklärt habe, ist während er ersten 20 (in Worten: zwanzig) Minuten der Handlung passiert. Und dabei habe ich noch einiges ausgelassen. Nach ungefähr 20 Minuten verwandelt einer der dunklen Schmetterlinge einen kleinen, dicken Franzosen in einen riesigen Wasserspeier. Ladybug und Cat Noir kämpfen gegen dieses Monster unter anderem in der Kathedrale Notre-Dame de Paris. In der Welt des Films scheint die Kirche 2019 nicht gebrannt zu haben. Im Verlauf der Kämpfe geht ein wertvolles Fenster zu Bruch, was aber niemanden juckt.
 
In diesem Film passiert wirklich viel. Nach weniger als einer halben Stunde ist das Wasserspeiermonster besiegt und der Schmetterling ist weiß geworden. Was weiß ich warum. Adriens Vater trägt eine Sado-Maso-Maske und verwandelt mit anderen dunklen Schmetterlingen einen Insassen eines mittelalterlichen Kerkers in einen Monsterpantomimen und eine andere Insassin in einen Superschurkenclown. Ladybug und Cat Noir kämpfen auch gegen diese beiden und der Louvre wird nicht zerstört.
 
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Halt! Bevor ich es vergesse! Eine wichtige Info: Ladybug/Marinette und Cat Noir/Adrien leiden vermutlich beide an Prosopagnosie. Das ist die Unfähigkeit Gesichter zu erkennen. Diese Krankheit ist unter Superhelden und auch -schurken weit verbreitet. Deshalb erkennen die beiden einander als Superhelden nicht, obwohl sie doch bloß poplige, kleine Masken tragen. Das führt dazu, dass Cat Noir in Ladybug verliebt ist, diese seine Liebe aber nicht erwidern kann, weil sie in Adrien verliebt ist, dieser aber nicht in Marinette. So weit so klar?
 
Ich weiß, das ist alles nicht so einfach. Aber ich gebe mir hier wirklich Mühe und habe gerade mal einen sehr groben Abriss über die erste Hälfte des Films gegeben. Im weiteren Verlauf des Films machen Ladybug und Cat Noir Werbung für einen deutschen Autobauer und müssen unter anderem ein böses Riesenballonbaby und ein gigantisches magisches Croissant bekämpfen. Während des Finales wird ein Wahrzeichen von Paris zerstört, die Seine sieht aus wie der Lavafluss auf Mustafar und am Ende geht doch alles gut aus.
 
Habe ich die rachsüchtige Mitschülerin erwähnt? Nein? Auch gut. Habe ich Cat Noirs magischen Allzweckstab erwähnt? Egal. War da noch irgendwas mit Marinettes Vater? Auch egal. Habe ich erwähnt, dass der alte Asiate die beiden Helden stalkt, ihnen aber nie hilft? Ist doch wurscht.
 
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Denn all das wird jedem Erwachsenen ziemlich gleichgültig sein. Fans der TV-Serie müssen mit den Abweichungen und Widersprüchen zwischen dieser Origin-Story und der beliebten Serie zurechtkommen. Und sie müssen es aushalten, wenn die Figuren immer wieder sinnlos zu singen anfangen. Vielleicht klingen diese Lieder im französischen Original oder in der englischen Version gar nicht so verkrampft bemüht wie in der deutschen Sprachfassung. Keine Ahnung.
 
Der Rest des Films ist nett gemacht. Die Animation ist für europäische Verhältnisse wirklich hochwertig ausgefallen. Die Actionszenen sind spannend gestaltet, ohne kleinen Mädchen zu viel Angst zu machen. Niemand kommt um. Nichts wird dauerhaft zerstört. Alles bleibt sehr kindgerecht. Der Film bietet genug Gags, über die das Zielpublikum lachen kann. Fans der Serie werden auf ihre Kosten kommen. Ihre Begleitpersonen müssen das Ganze eben aushalten. Ich habe es auch ausgehalten. Gerade mal so, aber doch.

Fazit
 
„Miraculous: Ladybug & Cat Noir – Der Film“ wird Fans der Serie gut unterhalten, aber vielleicht auch an einigen Stellen aufregen. Für alle, die mit der Serie bisher nicht vertraut waren, hat der Film nicht viel zu bieten.
 
 
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