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Kritik: Das Drama - Noch mal auf Anfang

 
sub kritik
 
Autor: Christopher Diekhaus
 
Zendaya und Robert Pattinson in einer abgründigen romantischen Komödie.
 
Fatale Offenbarung
 
Wir kennen das: Hochzeitsvorbereitungen kosten Nerven, führen nicht selten zu Streit, können das Brautpaar ganz schön belasten. Entscheidungen müssen getroffen werden. Die Vorstellungen und Geschmäcker driften plötzlich auseinander. Und im Nu wird der Weg zum großen Fest zu einer echten Zerreißprobe. Was passiert, wenn in diese stressige Zeit dann auch noch eine schockierende Enthüllung hineinplatzt, erforscht der Norweger Kristoffer Borgli in seinem zweiten englischsprachigen Spielfilm „Das Drama - Noch mal auf Anfang“.
 
Emma (Zendaya) und Charlie (Robert Pattinson) stehen kurz davor, sich das Jawort zu geben. Letzte Planungen gilt es festzuzurren, damit auch wirklich alles reibungslos über die Bühne geht. Beide überlegen, was sie in ihren Reden über den jeweils anderen sagen können, und tauschen sich dazu mit ihren engsten Vertrauten aus. Als die baldigen Eheleute zusammen mit dem befreundeten Pärchen Rachel (Alana Haim) und Mike (Mamoudou Athie) beim finalen Probeessen sitzen, bekommt die schöne Fassade jedoch einen heftigen Kratzer. Angespornt von etwas zu viel Alkohol, erzählen sich die Vier reihum die jeweils schlimmste Sache, die sie in ihrem Leben getan haben. Emmas Geständnis sorgt für Entsetzen – und dafür, dass plötzlich nichts mehr so ist wie zuvor.
 
Wie gut kennt man den Menschen, den man liebt? Und was, wenn man kurz vor der Hochzeit etwas erfahren würde, was man ihm niemals zugetraut hätte? „Das Drama - Noch mal auf Anfang“ hat eine griffige Prämisse, die wohl die meisten Zuschauer abholen dürfte. Wie würde ich mich in einer solchen Situation verhalten? Diese Frage schwingt immer wieder mit und hält das Interesse am Geschehen wach.
 
 
Wer mit dem Werk des Autorenfilmers Kristoffer Borgli vertraut ist, dürfte sich nicht wundern, dass auch seine neue Arbeit einige schräge, provokante Haken schlägt, ständig zwischen absurder Komik und Unbehagen changiert. In seinem englischsprachigen Debüt „Dream Scenario“ aus dem Jahr 2023 inszenierte der norwegische Regisseur und Drehbuchautor Oscar-Preisträger Nicolas Cage, Hollywoods Exzentriker vom Dienst, in der Rolle eines biederen Biologiedozenten, der urplötzlich in den Träumen unzähliger Menschen auftaucht und dadurch zu einem Medienstar mutiert.
 
Viele Diskussionsanstöße
 
In „Das Drama - Noch mal auf Anfang“ nutzt Borgli das Genre der romantischen Komödie für eine Beziehungsstudie mit vielen unbequemen Fragen. Emmas Enthüllung, die man als Story-Motor sicherlich kritisch sehen und geschmacklos finden kann, ist allemal schockierend, schürt Zweifel an ihrer Persönlichkeit. Gleichzeitig ergreift der Film aber auch für sie Partei: Sind Dinge, die man sich im Kopf ausmalt, die man plant, mit Handlungen, die man in die Tat umsetzt, gleichzusetzen? Kann ein Mensch sich grundlegend ändern? Wo ziehen wir die Grenze zwischen jugendlicher Verwirrung und pathologischer Neigung? Und: Wann ist ein Geheimnis, eine Lüge weniger schlimm?
 
Definitive Antworten serviert uns Borgli nicht, wohl aber spannende Denk- und Diskussionsanstöße. Wobei das Filmende, das vorherige Elemente geschickt aufgreift, dann schon ein wenig für sich spricht. Egal, wie unheimlich man Emmas Offenbarung finden mag – ein mulmiges Gefühl erzeugen auch die Heuchelei und die Selbstgerechtigkeit manch anderer Figur. Besonders die von Alana Haim mit Verve gespielte Rachel erhebt sich auf fragwürdige Weise über ihre Freundin und redet ihre eigene, beim Zusammensein gebeichtete Verfehlung klein. Auch Charlie, den Robert Pattinson als einen verhuschten, stets leicht nervösen Typen anlegt, ist nicht über jeden Zweifel erhaben. Immerhin hilft ihm eine kleine Lüge bei der ersten Begegnung mit Emma, überhaupt erst ins Gespräch zu kommen. Der Fehltritt, den er sich nach ihrem Geständnis in seiner wachsenden Panik irgendwann leistet, ist ebenfalls kein Ruhmesblatt.
 
Darstellerisch blühen „Euphoria“-Star Zendaya und Batman-Mime Robert Pattinson nach dem ominösen Bekenntnis am Ende des ersten Aktes auf. Die neue Dynamik in der Beziehung der Protagonisten, das, was auf einmal zwischen ihnen steht, bricht sich exemplarisch bei einem Probeshooting mit der Hochzeitsfotografin (Zoë Winters) Bahn: Emma und Charlie fällt es schwer, natürlich zu lächeln und eine entspannte Körperhaltung einzunehmen.
 
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Was den Film darüber hinaus abwechslungsreich macht, ist das Spiel mit der Realität. Hier und da mogeln sich Bilder in den Fluss, die offenkundig nur im Kopf einer der Figuren existieren. Bei den regelmäßig eingeflochtenen, bisweilen ins Klischeehafte kippenden Rückblenden in die Jugendzeit Emmas (als Teenagerin gespielt von Jordyn Curet) ist hingegen nicht immer klar, ob diese zuverlässig sind, sprich: tatsächlich Geschehenes zeigen oder mitunter vielleicht auch nur der Fantasie entspringen.
 
Bei aller Lust an der absurden Eskalation hätte „Das Drama - Noch mal auf Anfang“ in der ein oder anderen Szene durchaus noch etwas mehr Schärfe und Hintersinn vertragen können.
 
Fazit
 
Eine kurzweilige Auffrischung des konventionellen Boy-meets-Girl-Musters mit einem Twist am Ende des ersten Aktes, den man kritisch hinterfragen kann.
 
 
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