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Kritik: Whalefall

 
sub kritik
 
Autor: Peter Osteried
 
Ein ungewöhnlicher Titel, auch wenn der Film sich so nur kaum beschreiben lässt.
 
Ein WHALEFALL (deutsch: Walfall) bezeichnet das Absinken eines toten Wals auf den Meeresboden, nachdem dieser im offenen Ozean gestorben ist. In der Tiefsee, in der Nahrung extrem knapp ist, erschafft ein einziger Walkadaver ein völlig neues, reichhaltiges Ökosystem, das Hunderten von Tierarten über Jahrzehnte hinweg als Lebensgrundlage dient.
 
Sei eins mit dem Wal
 
Jay hat den Tod seines Vaters noch immer nicht verarbeitet. Der schwer kranke Mann hatte sich entschieden, seinem Leben im Meer ein Ende zu setzen. Nun will Jay nach seinen sterblichen Überresten suchen, um endlich einen Schlussstrich ziehen zu können. Bei seinem Tauchgang gerät er jedoch mitten in die Jagd eines Pottwals auf einen Kalmar. Ehe er begreift, wie ihm geschieht, wird er zusammen mit der Beute verschluckt. Im Inneren des gewaltigen Meeressäugers versucht Jay verzweifelt, einen Ausweg zu finden. Dabei erinnert er sich immer wieder an die schwierige Beziehung zu seinem Vater.
 
Logiklöcher unter Wasser Die Verfilmung eines erfolgreichen Romans lässt bisweilen lange auf sich warten. Bei WHALEFALL ging es deutlich schneller. Gerade einmal drei Jahre liegen zwischen der Veröffentlichung des Bestsellers und dem Kinostart. Ob der Film beim Publikum ähnlich gut ankommt wie die literarische Vorlage, ist allerdings fraglich. Denn was auf dem Papier offenbar funktioniert hat, erweist sich auf der Leinwand als reichlich unausgegoren. Das größte Problem ist dabei nicht einmal die grundsätzlich absurde Prämisse, sondern die Tatsache, dass der Film seine ohnehin schon haarsträubende Geschichte mit einer bemerkenswerten Ansammlung von Ungereimtheiten erzählt.
 
 
Schon die biblische Geschichte von Jonas und dem Wal setzte eine gewisse Bereitschaft voraus, das Unwahrscheinliche hinzunehmen. WHALEFALL geht allerdings noch einen Schritt weiter. Dass es im Inneren des Tieres erstaunlich hell ist, soll offenbar durch biolumineszierende Lebewesen erklärt werden. Das ist eine reichlich bequeme Lösung. Noch erstaunlicher ist, dass Jay zwar einen riskanten Tauchgang unternimmt, dabei aber weder eine Lampe noch ein Messer mitführt. Beides könnte er spätestens jetzt gut gebrauchen.
 
Auch ansonsten richtet sich das Verhalten des Wals weniger nach biologischen Gegebenheiten als nach den Bedürfnissen des Drehbuchs. Mal verharrt das Tier scheinbar endlos in derselben Position, dann stellt es sich praktischerweise senkrecht, damit Jay durch den Rachen nach oben gelangen kann. Selbstverständlich bleibt es genau so lange in dieser Haltung, wie die Szene es erfordert. Und als Jay schließlich eine Möglichkeit zur Rettung entdeckt, befindet sich der Wal natürlich in Küstennähe. Wäre er irgendwo draußen auf dem offenen Meer, hätte der Film ein Problem. Das Drehbuch löst es, indem es die entsprechenden Umstände einfach passend arrangiert. Einen solchen Zufall könnte man noch schlucken. Bei der gebotenen Häufung wird es schwierig.
 
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Vater, Sohn und jede Menge Klischees
 
Weil die Geschichte im Inneren des Wals offenbar nicht genug Material für einen abendfüllenden Film bietet, wird das Geschehen regelmäßig durch Rückblenden unterbrochen. Darin ist Josh Brolin als Jays Vater zu sehen, der vorzugsweise Lebensweisheiten von sich gibt, die irgendwie mit dem Meer zusammenhängen. Besonders originell sind diese Metaphern nicht. Vielmehr wirken sie, als hätte jemand sämtliche Gemeinplätze über schwierige Vater-Sohn-Beziehungen zusammengetragen.
 
Dramaturgisch bringen diese Szenen kaum etwas. Sie bremsen den Film aus, ohne den Figuren zusätzliche Tiefe zu verleihen. Brolin bleibt in einer eindimensionalen Rolle gefangen, während sich die Geschichte pflichtschuldig durch die üblichen Konflikte arbeitet. Dabei wäre das groteske Überlebensszenario durchaus interessant genug. So unglaubwürdig die Ereignisse im Wal auch sein mögen, visuell haben sie immerhin einiges zu bieten. Die Rückblenden können das nicht von sich behaupten.
 
Fazit
 
Am Ende bleibt ein Film, dessen außergewöhnliche Ausgangsidee von einem schwachen Drehbuch und aufgesetzter Gefühlsduselei ausgebremst wird. Dass eine derart abstruse Geschichte als Roman die Bestsellerlisten eroberte, ist schon erstaunlich. Ob die Verfilmung dieses Kunststück wiederholen kann, darf bezweifelt werden.
 
 
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