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Kritik: Clayface

 
sub kritik
 
Autor: Christopher Diekhaus
 
Das DC-Universum goes Body-Horror, mal was anderes!
 
James Watkins für Mike Flanagan
 
So richtig gezündet hat der 2025 offiziell eingeläutete Start des neuen DC Universe unter der Führung von James Gunn und Peter Safran noch nicht. In kreativer Hinsicht waren „Superman“ und „Supergirl“ keine signifikanten Verbesserungen zu früheren DC-Filmen. Und Letzterer ging im Sommer 2026 sogar an den Kinokassen baden. Genau vier Monate nach dem finanziellen Flop um Supermans unangepasste Cousine soll der dritte Beitrag für positive Schlagzeilen sorgen. Der verhältnismäßig günstig produzierte „Clayface“ stellt eine weniger bekannte Schurkenfigur aus dem DC-Kosmos in den Mittelpunkt und spinnt um diese eine Ursprungsgeschichte, die in ihren Grundzügen aus der Feder des Horrorspezialisten Mike Flanagan (unter anderem Schöpfer der Prime-Video-Serie „Carrie“) stammt.
 
Obwohl er selbst den Zuschlag erhielt, das Projekt überhaupt erst ins Rollen brachte, firmiert der lange Zeit durch einen Exklusivdeal an Netflix gebundene Filmemacher nun „nur“ noch als Ideengeber und Mitautor, da er während der Entwicklungszeit aufgrund anderer Verpflichtungen aussteigen musste. Die kreative Leitung übernahmen Regiekollege James Watkins (zuletzt verantwortlich für das US-Remake zum dänischen Schocker „Speak No Evil“) und Drehbuchschreiber Hossein Amini („Verräter wie wir“), der auf Basis von Flanagans Vorarbeit einige inhaltliche Änderungen vornahm.
 
Dass „Clayface“ weniger auf Action setzt, sondern in Body-Horror-Gefilden beheimatet ist, macht den Film zu einem Kuriosum im Superheldenumfeld. Tiefe Abgründe und allzu schaurige Bilder haben dort schließlich nur selten Platz. In den DC-Comics tragen verschiedene Figuren den Namen aus dem Titel (auf Deutsch: Lehmgesicht) als Pseudonym. Der Kinobeitrag konzentriert sich auf die Matt-Hagen-Version, die in den gedruckten Werken erstmals 1961 in Erscheinung trat.
 
 
Ebendieser Matt, verkörpert von Tom Rhys Harries, ist bei Watkins und Amini ein Schauspieler, der zu Beginn nach den Sternen greift. Gerade erst hat er eine Oscar-Nominierung eingeheimst und wähnt sich auf den Weg in den Olymp der Filmbranche. Seine Karriere wird allerdings jäh ausgebremst, als er sich in einem Nachtclub in Gotham City von Mia (Joana Ribeiro) um den Finger wickeln lässt. Nach einer gemeinsam verbrachten Nacht steht ihr Partner Markos Szabo (David Dencik), ein skrupelloser Mafiaboss, vor dem Bett und schlitzt Matts Gesicht auf.
 
Böse entstellt und damit seiner Lebensversicherung beraubt, geht es für Hagen in der Folge steil bergab. Ein Arzt, der ihm kosmetische Erfolge verspricht, nimmt ihn aus. Auch sein Finanzmanager (Eddie Marsan) zockt ihn ab. Seine Agentur lässt nichts mehr von sich hören. Und nachdem Mia ihn der Übergriffigkeit beschuldigt hat (das fragwürdige Klischee der Falschbehauptung wird auch hier bemüht!), steht Matt als moralisch zwielichtige Person da. Mehr noch: Im Prozess, den er gegen Szabo anstrengt, ergießt sich eine konzertierte Schmutzkampagne über ihn, während die Justiz den jungen Schauspieler komplett im Regen stehen lässt.
 
Nichts für schwache Nerven
 
Dass der aus einfachen Verhältnissen stammende Hagen wieder ganz unten angekommen ist, unterstreicht James Watkins mit einem plakativen Bild: Als der Protagonist in seiner schäbigen Hinterhofwohnung auf dem Bett liegt, läuft ihm eine fette Kakerlake über das verunstaltete Gesicht. Vom Tellerwäscher zum Millionär und zurück – das ist Matts Schicksal.
 
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Durch Zufall wird er auf die Wissenschaftlerin Dr. Caitlyn Corr (Naomi Ackie) aufmerksam, deren experimentelle, noch in den Anfängen steckende Nanozellenforschung Hagens Rettung sein könnte, weshalb er sich als ihr menschliches Versuchskaninchen anbietet. Tatsächlich regeneriert sich Matts Antlitz durch die Behandlungen merklich. Nach einem heftigen Rückschlag bei einer Musical-Premiere spritzt sich der verglühte Star jedoch selbst eine Überdosis – und erkennt sich schon bald nicht mehr wieder. Sein Körper besteht plötzlich aus einer lehmartigen Substanz und kann sich seltsam verformen. Immer häufiger nimmt Hagen die Gestalt anderer Menschen an.
 
Für einen Film, der sich an ein Multiplex-Publikum richtet, fährt „Clayface“ erstaunlich blutige, unappetitliche Effekte auf. Bei manchen Szenen – etwa wenn Nasen aufgeklappt oder Hautstücke abgeschält werden – dürfte es auch erfahrene Horrorzuschauer kurz durchzucken. In einer Comicadaption erwartet man solche Aufnahmen eigentlich nicht. Als Abwechslung zum handelsüblichen Actionradau ist das Eintauchen in düster-abseitige Bereiche allerdings gar nicht so verkehrt.
 
Watkins und Co verquirlen groteske Körpermutationen, „Frankenstein“-Elemente und Versatzstücke des Psychothrillers zu einem DC-Beitrag, der in den ersten 40 bis 50 Minuten das Interesse zu binden weiß. Halbwegs gebannt folgt man dem Absturz der Hauptfigur, die sich in eine Spirale aus Wahn und Rachedurst hineinschlittert.
 
In der zweiten Hälfte erschöpft sich jedoch der Body-Switch-Modus bzw. wirft der Film mit immer neuen Transformationen um sich, ohne Matts Identitätskrise wirklich zu durchdringen. So, wie es beispielsweise Body-Horror-Veteran David Cronenberg in seinem blutig-schauerlichen Schaffen oft eindrücklich bewerkstelligt hat. Was macht die existenzielle Bedrohung mit Hagen? In welchem Ausmaß leidet er? Und wie genau kontrolliert er den Wechsel von einem Körper in den nächsten? Viele Fragen werden angerissen. „Clayface“ findet, wenn überhaupt, aber nur oberflächliche Antworten. 
 
Unterentwickelt bleibt auch Caitlyns Charakterbogen. Immerhin ist ihre Forschung völlig aus dem Ruder gelaufen. Und nicht zuletzt avanciert sie zu einem Love Interest ihres Patienten. Konfliktstoff und Reibungspunkte sind reichlich vorhanden. Seltsamerweise lässt der Film allerdings viele Chancen liegen. Besonders gegen Ende folgt der Racheplot dem Malen-nach-Zahlen-Prinzip, hat kaum noch große Wendungen zu bieten. Weil sich außerdem eine deplatzierte Komik in das Geschehen drängt, produziert „Clayface“ nicht mehr die Verstörungskraft der ersten Dreiviertelstunde. Schade, dass dieses so andere DC-Kapitel sein Überraschungspotenzial nicht lange genug aufrechterhalten kann.
 
Fazit
 
Eine Comicadaption, die mit ihrem deftig-schaurigen Ansatz Neugier weckt, sich irgendwann aber auch nicht sonderlich weiterzuentwickeln versteht.
 
 
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