THE ROSES DIS Display Static 160x600 AB

 
nflix news

Kritik: Coyote vs. ACME

 
sub kritik
 
Autor: Walter Hummer
 
Es war längst wieder mal Zeit für eine schöne, altmodische Underdog-Story im Kino …
 
He would never think of quitting
 
Seit 1949 versucht Wile E. Coyote den Road Runner zu fangen. Immer vergeblich. Bei all diesen vergeblichen Versuchen hat er stets die vielen verschiedenen Produkte seines langjährigen Lieferanten ACME benutzt. Nicht nur haben die verschiedenen Katapulte, Raketen, Sprengvorrichtungen, Ambosse, Magnethandschuhe, Fallschirme, Helikopterrucksäcke, Raketenrollschuhe und so weiter und so fort ihm kein bisschen geholfen. Oft genug haben sich diese Apparate als lebensgefährlich für den Benutzer herausgestellt. Nach all der Zeit soll der Konzern nun endlich zur Verantwortung gezogen werden …
 
Treue Leser*innen wissen, wie allergisch ich mittlerweile auf die Phrase „Based on a true story“ reagiere. Und nun haben wir hier einen Film, der mit eben diesem eingeblendeten Schriftzug beginnt und das ist einfach der witzigste Gag, den ich seit langem im Kino gesehen habe. „Coyote vs. ACME“ sollte nämlich bereits vor mehr als drei Jahren ins Kino kommen. Aber David Zaslav, der CEO von Warner Brothers Discovery hat nach Fertigstellung des Films mal eben entschieden, diesen Film nicht im Kino laufen zu lassen, sondern den Verlust abzuschreiben, wie er es bereits auch bei „Batgirl“ und einem „Scooby Do“-Animationsfilm gemacht hat. Wer auch nur den geringsten Zweifel hat, dass bei den großen Filmstudios nur noch Erbsenzähler und keine Kreativen die Entscheidungen treffen, sollte die Geschichten dazu nachlesen.
 
 
Ich will hier nicht in allen Details erzählen, wie der Film nun doch noch seinen Weg in die Kinos gefunden hat. Kurz zusammengefasst: der Shitstorm und anhaltende Druck der Fans hat Warner Brothers irgendwann dazu gebracht, den Film anderen Verleihfirmen zum Kauf anzubieten. Wie gering das Interesse der Entscheidungsträger an ihren Filmen und ihrem Publikum doch ist, kann man übrigens daran erkennen, dass man den Film zwar für 30 Millionen Dollar abschreiben, aber zunächst nicht für weniger als 75 Millionen verkaufen wollte. Am Ende hat das noch recht junge Independent-Unternehmen Ketchup Entertainment die weltweiten Rechte an dem Film für 50 Millionen gekauft. Und dafür muss man Ketchup Entertainment nicht bloß dankbar sein. Man muss dem Mut Respekt zollen. Ketchup Entertainment ist der Underdog. Wie die kleine, marode Anwaltskanzlei, die im Film den Coyoten vor Gericht vertritt, zeigen sie dem großen, viel zu gierigen Konzern, was richtig und was falsch ist.
 
Denn es wäre einfach falsch gewesen, diesen Film nicht ins Kino zu bringen. „Coyote vs. ACME” ist ein reizender, gut gemachter, unterhaltsamer Familienfilm mit Herz. Die Kinder können über die Kapriolen der Cartoon-Figuren lachen, während den Erwachsenen nicht entgehen wird, wie viele Gags in dem Film vorkommen, die nur für sie bestimmt sind. Das fängt damit an, dass ACME so grausam und gierig ist, Besuchern der Firmenzentrale nicht einmal die Parktickets abzustempeln, geht weiter mit dem urkomischen Namen eines Hotels und hört bei einem „pantsless Photoshoot“ längst nicht auf. Die witzige Kritik an verantwortungslosen Konzernen und persönlicher Konsumgier wird den Kleinen entgehen und die Erwachsenen vielleicht zum Nachdenken anregen. So liefert das intelligente Drehbuch von Samy Burch („May December“), auf verschiedenen Ebenen, Unterhaltung für die ganze Familie.
 
Der bisher bekannteste Film von Regisseur Dave Green war „Teenage Mutant Ninja Turtles: Out of the Shadows“, einer von mehreren zurecht vergessenen Versuchen, die mutierten Schildkröten auf die große Leinwand zu bringen. Bei „Coyote vs. ACME“ stellt sich Green gar nicht ungeschickt an. Seine Inszenierung lässt die Cartoon-Figuren so agieren, wie man sie kennt. Die echten Darsteller beleben den Film, indem sie nie so tun, als wäre es ungewöhnlich mit animierten Charakteren zu tun zu haben. Weite Teile der Handlung spielen in Albuquerque, New Mexico und nicht nur deshalb erinnert die marode kleine Anwaltskanzlei durchaus auch an die Wirkungsstätte von Saul Goodman.
 
And I think everyone should be inspired by that
 
Eine der besten Entscheidungen der Regie war es, den vertrauten Look der bekannten „Looney-Tunes“-Figuren beizubehalten. Natürlich sind die ehemals handgemalten, 2D-animierten Figuren, also nicht nur Coyote und Road Runner, sondern auch Daffy Duck, Bugs Bunny, Foghorn Leghorn und andere, für diesen Film mit moderner 3D-Animationstechnik neu geschaffen worden. Trotzdem sehen sie aus, wie die Charaktere, die wir seit Jahrzehnten kennen. Die Macher von „Coyote vs. ACME” haben also aus den Fehlern von „Die Peanuts – Der Film“ und der letzten „Sponge Bob“-Filme gelernt.
 
01 2026 Capelight Pictures02 2026 Capelight Pictures03 2026 Capelight Pictures04 2026 Capelight Pictures
 
Die wenigen Defizite des Films haben mit vermeidbaren Längen im zweiten und dritten Akt zu tun. Niemand braucht die vielen Dialoge, die uns bloß das Gerichtsverfahren erklären, das ohnehin nur ein Vorwand für die Gags ist. Auch eine Anhörung in Washington hätte von einem rigorosen Schnitt nur profitiert. Comedy gewinnt nichts durch Länge. Das gilt vor allem für eine im besten Sinne altmodische Komödie, wie „Coyote vs. ACME”. Der Film ist zwar nur 98 Minuten lang, was heutzutage ja fast ein Kurzfilm ist, wäre aber mit einer Laufzeit von 85 Minuten deutlich witziger gewesen.
 
Doch auch so bleibt „Coyote vs. ACME” ein reizender, gut gemachter, unterhaltsamer Familienfilm mit Herz. Dafür sorgen neben den bekannten „Looney-Tunes“-Figuren die menschlichen Darsteller, allen voran Will Forte. Forte war lange Zeit sowohl Darsteller als auch Autor bei „Saturday Night Live“ In Europa kannte man ihn vor allem durch Gastrollen in Sitcoms, bevor er 2013 an der Seite von Bruce Dern und June Squibb einen Oscar für „Nebraska“ verdient hätte. Es ist ein Jammer, dass er seither vor allem in Komödien zu sehen war. Hier verbindet er sein komödiantisches und sein dramatisches Talent und verleiht seiner Darstellung und damit dem ganzen Film eine überraschende Tiefe.
 
Lana Condor war bisher im Kino nur in Nebenrollen in mittelmäßigen Filmen wie „X-Men: Apocalypse“ oder „Alitta: Battle Angel“ zu sehen. Hier bildet ihre überaus sympathischen Darstellung das emotionale Zentrum des Films.
 
Jon Cena hat während seiner Karriere als Wrestler gelernt, sich für nichts zu gut zu sein. Seit sein kleiner Part das Beste an „Sisters“ war, werden seine witzigen Nebenrollen in Filmen wie „Bumblebee“, „Fast & Furious 37“, „Fast & Furious 38“ oder „Barbie“ immer größer und witziger. „Coyote vs. ACME” funktioniert unter anderem deshalb so gut, weil Cena in seiner Darstellung des Schurken seine physische Erscheinung und sein beträchtliches komisches Talent so gekonnt einsetzt. Eine lobende Erwähnung verdient auch der stets verlässliche Luis Guzmán als “no-nonsense, no-silly-stuff judge”.
 
Fazit
 
„Coyote vs. ACME” erzählt eine schöne, im besten Sinne des Wortes altmodische Underdog-Story. Und das in Form eines wirklich unterhaltsamen Films für die ganze Familie.“
 
 
Unterstütze FantasticMovies.DE: